Ziel war es, von Stuttgart nach Bonn mit dem Rad zu fahren.
Zunächst ging es mit dem Nahverkehr am 30.8.2022 in etwa 9 Stunden mit dem Regio und 9€ Ticket nach Stuttgart.
Der Plan war simpel: Morgen erstmal noch ein paar Freunde treffen
und dann übermorgen so schnell wie möglich in die Heimat, bevor der angesagte Regen eintrifft.
Denn vernünftige Planung bzgl. Wetter oder regenfester Kleidung wäre ja auch wirklich zu einfach... :c
Bodensee
Am 30.8 war ich vor meiner ersten Tour dieser Dimension wie geplant mit Freunden an den Bodensee gefahren.
Sonnenaufgang bei Stuttgart
Am 1.9. um 7:30 ging es dann los mit einem kleinen Abstecher (2.2km)
zum Stuttgarter Hbf um noch einen Freund auf seinem Weg zur Arbeit am Gleis zu nerven.
Um 8:21 hieß es dann jedoch, in die zu Pedale treten und von nem Rentnerpaar ausgelacht werden,
als ich nach dem Weg Richtung Köln fragte.
Straße in Heilbronn
Um 12:39 nach 75.2 km war ich dem Neckar folgend in der ersten größeren Stadt seit Stuttgart angekommen.
Falls du dich jetzt fragst: "Moment mal... Stuggi-Heilbronn sind doch nur 50 km?" Da hast du Recht!
Aber ich Schlaumeyer bin nicht nur ohne regenfeste Radklamotten gefahren sondern auch ohne Navigation und Plan.
Immerhin wurde der ganze Tripp erst 36 Stunden vor Abreise spontan entschieden, als eine der Bodensee-Freunde mich mehr aus Spaß eingeladen hatte.
In Heilbronn wurde der Fluss dann etwas grader und ich folgte größeren Straßen um etwas schneller voran zu kommen.
Hügel auf der Ostseite des Neckars
Nach viel zu vielen Irrfahrten, einem Abstecher nach Mosbach und Mittagessen bin ich gegen 18:18 nach 156.8 km in einem bildschönen Heidelberg angekommen. Dort aß ich etwas und machte mich zügig auf dem Weg Richtung Mannheim um dort dann langsam einen Platz für die Nacht zu suchen.
Unterführung Mannheim Hbf
Als ich um 20:03 nach 181.5 km endlich in Mannheim angekommen bin, ging die Sonne schon unter
und die Dämmerung trieb mich nach viel zu teurem Wasser am Hbf schnell wieder aus der Stadt.
Leider ist zwischen Mannheim und Worms das größte zusammenhängende
Chemieareal der Welt von BASF und wenig Wald, was die Fahrt im Dunkeln sehr schwierig gestaltete.
Dunkelheit im Waldstückchen
Ganze 2 Stunden später gegen 21:55 und nach 194 km fand ich mich nach einem letzten Abendessen
in einem einen winzigen Stück Wäldchen zwischen Feldern und einer riesen Kreuzung der B9.
Falls es dich interessiert: 49°32'06.5"N 8°23'51.5"E
Dort spannte ich dann meine Hängematte auf, schloss mein Rad an einen Baum an und ging schlafen.
Kleiner Fluss mitten durch das Dorf
Am zweiten Tag brauchte ich erstmal eine Weile um Hunger,
die Unterkühlung der Nacht und die Magenkrämpfe durch mein schreckliches Essverhalten des Vortages zu überwinden.
Die Nacht war nicht lang und mein Körper ziemlich fertig vom Vortag.
Nichtsdestotrotz musst ich heut nochmal ordentlich Strecke schaffen.
Um 11:25 war ich bei 223.6 km.
Das Wetter war gut und so ging es durch die Dörfer und über diverse Weinberge des Nordpfälzer Berglandes Richtung Bingen.
Drususbrücke in Bingen
Angekommen bin ich um 14:44 nach 295.1 km und damit hatte ich den härtesten Teil,
das Dorf zu Dorf und Hügel zu Hügel hüpfen, hinter mir.
Nach dem Mittagessen und Pflegen der Sonnenbrand geschädigten Beine ging es an der
wunderschönen Mittelrheinstrecke mit ordentlich Rückenwind zügig Richtung Koblenz.
Die Strecke ist wirklich eine große Empfehlung von mir, solang man von Bingen hoch fährt
und nicht in die andere Richtung. Mit den Winden dort ist wirklich nicht zu spaßen.
Koblenzer Vorstadt
Um 18:21 nach 360 km war ich endlich in Koblenz. Mit Abstand war das die fahrradunfreundlichste Stadt, in der ich je gefahren bin.
Viele Umleitungen, sehr verwirrende oder nicht existierende Radwege und teilweise sehr schlechte Straßen.
Der Körper konnte sich kaum noch auf dem Rad halten und es ging echt schleppend voran.
Alle 20 - 30 Minuten musste ich eine Pause machen und lag auch eine Weile fast schlafend auf dem Radweg,
was eine E-Bike-Rentnergruppe kurzzeitig sehr besorgt gemacht hat.
Nichtsdestotrotz war es nicht mehr weit und so ging es weiter Richtung Bonn.
Fahrrad unmittelbar nach Ankommen
Um 22:12 nach 400.4 km und knapp über 20 Stunden reiner Fahrtzeit war ich wieder Zuhause. Dank der etwas zu engen Schuhe und dem ungewohnt vielen fahren konnte ich erstmal ne Woche nicht laufen und mehrere Tage nichts greifen. Die tauben Füße hielten sich noch viele Wochen.